Exchange LAB 2026 und 2027 Teil 2: Zehn VMs, fünf Netze: Wie die Demo aufgebaut ist

Die einfachste Exchange-Demo wäre ein einzelner Server mit einem Client daneben. Sie wäre schnell gebaut und würde trotzdem nichts beweisen. Kunden betreiben Exchange nicht im luftleeren Raum, sondern zwischen Firewalls, Load Balancern und Mailfiltern. Genau dieses Zusammenspiel wollte ich zeigen können.

Herausgekommen sind zehn virtuelle Maschinen in fünf getrennten Netzen.

Wer wo steht

  • DC-Netz: zwei Domain Controller für Active Directory, DNS und die interne Zertifizierungsstelle.
  • Servernetz: zwei Exchange-Server und ein Verwaltungsserver, von dem aus administriert wird.
  • Clientnetz: ein Windows-11-Rechner mit Outlook, der den Anwender spielt.
  • LB-Netz: der Load Balancer mit der Adresse, über die alle Clients Exchange erreichen.
  • DMZ: zwei Mailgateways, die Mails aus dem Internet annehmen und prüfen.

In der Mitte sitzt eine Firewall, die alle fünf Netze verbindet und festlegt, wer mit wem sprechen darf. Sie ist auch der Weg ins Internet.

Warum so viele Netze?

Der naheliegende Einwand: Für eine Demo wäre ein gemeinsames Netz doch einfacher. Das stimmt, aber es hätte drei Dinge unmöglich gemacht.

Erstens den Load Balancer im sogenannten transparenten Modus. In diesem Modus sehen die Exchange-Server die echte Adresse des Anwenders statt der des Load Balancers. Das funktioniert nur, wenn Clients und Server in verschiedenen Netzen liegen. Warum mir das wichtig ist, erkläre ich in Teil 5.

Zweitens eine echte DMZ. Die Mailgateways sind die einzigen Systeme, die Verbindungen aus dem Internet annehmen. Sie gehören deshalb in ein eigenes Netz, aus dem heraus nur ganz bestimmte Verbindungen nach innen erlaubt sind.

Drittens Realismus. Wenn ich einem Kunden erkläre, welche Freigaben seine Firewall für Exchange braucht, kann ich sie in der Demo zeigen, statt sie nur aufzuzählen.

Hochverfügbarkeit im Bild

Die beiden Exchange-Server bilden einen Verbund, der jede Datenbank doppelt hält: eine aktive Kopie auf dem einen Server, eine passive auf dem anderen. Der Verwaltungsserver hat dabei eine Nebenrolle als Schiedsrichter. Fällt ein Exchange-Server aus, entscheidet seine Stimme, dass der verbleibende Server weiterarbeiten darf.

Eine Lektion aus dem Aufbau

Getrennte Netze sind nur so gut wie die Regeln dazwischen. Die Firewall bringt ab Werk eine Regel mit, die dem internen Netz alles erlaubt. Die hätte meine sorgfältig abgeschottete DMZ stillschweigend ausgehebelt: Das Servernetz hätte jedes Ziel erreicht, auch die Gateways auf allen Ports. Erst beim Durchgehen der Dokumentation ist mir das aufgefallen. Seitdem prüfe ich bei jeder Firewall zuerst die Standardregeln, bevor ich eigene anlege.

Der Ressourcenbedarf

Zusammen brauchen die zehn VMs 24 virtuelle Prozessoren, 56 GB Arbeitsspeicher und gut ein Terabyte Speicher. Damit passt die Demo auf einen einzelnen Host. Wie ich mit so wenig Speicher auskomme und warum das kein Vorbild für echte Umgebungen ist, kläre ich in Teil 8.