Exchange LAB 2026 und 2027 Teil 3: Exchange Server SE: Neuer Name, bekannte Technik

Wer zum ersten Mal Exchange Server Subscription Edition installiert, sucht vergeblich nach dem großen Neuanfang. Das ist keine Kritik, sondern Absicht. Die erste Version von Exchange SE ist funktional dasselbe wie Exchange 2019 mit dem letzten Cumulative Update 15. Neue Funktionen sollen erst mit dem nächsten Update, CU1, kommen.

Warum das eine gute Nachricht ist

Für Kunden, die von Exchange 2019 kommen, ist der Umstieg damit vor allem ein Wechsel von Version und Lizenzmodell, kein Technologiewechsel. Administratoren finden dieselben Verwaltungswerkzeuge, dieselben Konzepte und dieselben Fallstricke. Wer Exchange 2019 betrieben hat, kann Exchange SE betreiben.

Genau das zeige ich in der Demo auch: Die Oberfläche, die Outlook-Anbindung und die Hochverfügbarkeit sehen aus wie gewohnt. Der Unterschied steckt im Kleingedruckten.

Was sich im Kleingedruckten ändert

Der Name verrät es: Exchange SE wird im Abonnement lizenziert. Für die erste Version akzeptiert Exchange laut Microsoft noch einen vorhandenen Exchange-2019-Schlüssel. Ein eigener SE-Schlüssel wird erst mit einem künftigen Update Pflicht. Ohne Schlüssel läuft Exchange 180 Tage als Testversion. Danach weist die Verwaltungsoberfläche darauf hin, die Funktion bleibt aber erhalten. Für eine Demo ist das bequem, für eine Produktivumgebung kein Zustand: Die Lizenzierung gehört vor den Start geklärt, nicht danach.

Auch das Umfeld zieht nach. Exchange SE läuft auf Windows Server 2019, 2022 und 2025. Ein Upgrade des Betriebssystems unter einem installierten Exchange ist nicht vorgesehen; wer das Betriebssystem wechseln will, baut neue Server. Auf Client-Seite sind Microsoft 365 Apps sowie Outlook 2021 und 2024 die richtige Wahl. Outlook 2016 und 2019 tauchen zwar noch in Microsofts Übersicht auf, haben aber wie die alten Exchange-Versionen keinen Support mehr.

Das Update, auf das alle warten

CU1 war für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt, einen festen Termin gab es bei Redaktionsschluss nicht. Ich plane für die Demo deshalb so: Neue Updates kommen zuerst in eine Kopie der Umgebung. Erst wenn dort alles läuft, ziehe ich die eigentliche Demo nach. Dieser Grundsatz gilt in Kundenumgebungen genauso, nur mit höherem Einsatz.

Sicherheit ist ab Werk strenger

Eine Neuerung gegenüber alten Installationen spürt man sofort: Ein Schutzmechanismus namens Extended Protection ist bei Neuinstallationen automatisch aktiv. Er verhindert, dass Anmeldungen unterwegs abgefangen und weitergereicht werden. Das ist gut, hat aber Folgen für alles, was zwischen Client und Server sitzt, allen voran den Load Balancer. Darum geht es in Teil 5.

Mein wichtigster Tipp

Nach jeder Installation und nach jedem Update lasse ich den kostenlosen HealthChecker von Microsoft laufen. Er prüft Dutzende Einstellungen, die man von Hand leicht übersieht, und sagt klar, was zu tun ist. Er gehört deshalb fest in meine Checkliste.

Im nächsten Teil wird es greifbar: Wie führt man Hochverfügbarkeit so vor, dass sie jeder versteht?