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Microsoft Teams: Add alternate text to images shared from OneDrive and SharePoint

Auf der Microsoft 365 Roadmap steht ein Eintrag, der in keinem Community-Roundup auftaucht und in zwei Zeilen abgehandelt ist: „Microsoft Teams: Add alternate text to images shared from OneDrive and SharePoint" (ID 571687). Die Beschreibung bleibt nüchtern – Nutzende sollen die Zugänglichkeit verbessern können, indem sie Bildern einen Alternativtext geben.

Kleine Funktion, große Vorgeschichte. Denn Teams konnte das schon einmal, und im neuen Client ist es an entscheidenden Stellen verloren gegangen.

Die Fakten zum Roadmap-Eintrag

Feld Wert
Roadmap-ID 571687
Titel Microsoft Teams: Add alternate text to images shared from OneDrive and SharePoint
Produkt Microsoft Teams
Status In development
Release-Phase General Availability
Verfügbarkeit (Public Disclosure) November CY2026
Public Preview noch nicht terminiert
Plattformen Desktop
Zweck laut Microsoft „improve accessibility by adding alternate text to images"

Zwei Einschränkungen fallen sofort auf. Erstens ist als Plattform ausschließlich Desktop genannt – Web und Mobile sind im Eintrag nicht adressiert. Zweitens gibt es keinen weiterführenden Link und keinen Preview-Termin; technische Details bleiben offen.

Und drittens, für die Einordnung am wichtigsten: Der Eintrag taucht in den einschlägigen Roadmap-Roundups (SharePoint Stuff, Planet Technologies, Level Up M365) bislang nicht auf. Wer eine Bewertung sucht, muss sie sich aus dem Bestand bauen – aus der Funktionshistorie in Teams und aus dem regulatorischen Umfeld.

Der wunde Punkt: Was Teams Classic konnte und New Teams verlor

Alt-Text in Teams ist kein neues Konzept. Bereits 2022 dokumentierten Community-Autoren die Funktion für Bilder in privaten Chats: Bild einfügen, Rechtsklick, „Add Alt Text", maximal 240 Zeichen. Die Beschreibung wurde von Screenreadern vorgelesen und war über die Nachrichtenbearbeitung nachträglich änderbar.

Schon damals war die Abdeckung unvollständig:

Im Frühjahr 2026 meldete ein IT-Verantwortlicher einer Organisation mit Accessibility-Schwerpunkt in den Microsoft-Foren, dass die Option im neuen Teams-Client schlicht fehlt – auf Desktop wie im Web. Eine offizielle Ankündigung zur Entfernung gab es nicht, ein Roadmap-Eintrag zur Wiedereinführung existierte damals nicht. Community-Moderatoren konnten nur auf Build-Prüfung, Public-Preview-Ring und das Feedback-Portal verweisen, wo eigens ein Eintrag zum Upvoten angelegt wurde. Besonders unangenehm: Die Microsoft-eigene Accessibility-Dokumentation beschreibt die Funktion weiterhin.

Vor diesem Hintergrund liest sich 571687 weniger als Innovation denn als Reparatur an einer anderen Stelle – adressiert wird der Weg über OneDrive und SharePoint, nicht ausdrücklich der klassische Chat-Upload.

Warum das kein Nice-to-have ist

Alternativtexte sind die erste und bekannteste Anforderung der Web Content Accessibility Guidelines: Erfolgskriterium 1.1.1 „Nicht-Text-Inhalt", Konformitätsstufe A. Kein Bild ohne Textalternative – das ist die Basisstufe, nicht die Kür.

Regulatorisch hat sich die Lage in Europa verschärft. Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) als Umsetzung des European Accessibility Act. Es verlangt für betroffene digitale Angebote die Einhaltung von EN 301 549 und WCAG 2.1 Stufe AA, nennt Alternativtexte ausdrücklich und sieht Bußgelder bis 100.000 Euro vor. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen unter 10 Beschäftigten und 2 Millionen Euro Jahresumsatz.

Hier ist Präzision wichtig, und die meisten Beiträge zum Thema bleiben sie schuldig: Das BFSG zielt auf B2C-Produkte und -Dienstleistungen – Onlineshops, Bankdienste, E-Books, Ticketing. Ein interner Teams-Chat fällt nicht automatisch darunter. Die Pflicht zur barrierefreien Arbeitsumgebung speist sich in Deutschland aus anderen Quellen: dem Behindertengleichstellungsgesetz und der BITV für öffentliche Stellen, dem AGG und der UN-Behindertenrechtskonvention für Arbeitgeber allgemein, EN 301 549 in der öffentlichen Beschaffung.

Das Ergebnis ist trotzdem dasselbe. Wer öffentliche Auftraggeber bedient, wird nach EN 301 549 gefragt. Wer Beschäftigte mit Sehbehinderung hat, schuldet ihnen eine nutzbare Kollaborationsumgebung. Und wer Kundenkommunikation über Teams führt, verschiebt die Grenze ohnehin.

Dazu kommt ein praktischer Punkt, der in der Accessibility-Diskussion oft untergeht: In Chats liegt heute Wissen. Screenshots von Fehlermeldungen, fotografierte Whiteboards, Diagramme aus Präsentationen. Ein Bild ohne Beschreibung ist nicht nur für Screenreader unsichtbar – es ist auch für die Suche unsichtbar und für Copilot schwer erschließbar. Alt-Text ist damit gleichzeitig Barrierefreiheit und Metadatenpflege.

Offene Fragen

Die Kurzbeschreibung lässt mehr offen, als sie beantwortet:

  1. Welche Oberflächen genau? Der Eintrag spricht von Bildern, die „aus OneDrive und SharePoint geteilt" werden. Gilt das für Chat, Kanäle, Meeting-Chat und Loop-Komponenten gleichermaßen?
  2. Wo wird der Alt-Text gespeichert? Am Bild in der Nachricht oder als Metadatum an der Datei in OneDrive/SharePoint? Nur im zweiten Fall reist die Beschreibung mit der Datei mit – und das wäre der deutlich größere Gewinn.
  3. Bleibt das 240-Zeichen-Limit? Für ein Diagramm ist das knapp.
  4. Nur Desktop? Ein Alt-Text, den nur der Desktop-Client setzen kann, hilft Mobile-Nutzenden beim Lesen – aber die Hälfte der Bilder wird unterwegs geteilt.
  5. Gibt es KI-Vorschläge? Word, PowerPoint und LinkedIn generieren Alt-Text-Vorschläge automatisch. Ohne diesen Komfort bleibt die Adoption erfahrungsgemäß niedrig.
  6. Und der klassische Chat-Upload? Die in den Foren beklagte Lücke bleibt vom Eintrag formal unberührt.

Was Sie bis November 2026 tun können

Nichts davon setzt das Feature voraus – alles zahlt darauf ein:

Einordnung

571687 ist ein kleiner Eintrag mit unangenehmem Beigeschmack. Er ist überfällig, weil Teams eine Funktion verloren hat, die 2022 bereits dokumentiert war – und er ist begrenzt, weil er nur den Weg über OneDrive und SharePoint nennt und nur den Desktop adressiert.

Bewerten lässt sich das erst, wenn klar ist, ob der Alternativtext an der Datei oder an der Nachricht hängt. Hängt er an der Datei, ist das ein echter Fortschritt für Inhalte, die zwischen SharePoint, Teams und Office wandern. Hängt er nur an der Nachricht, ist es das Nachziehen eines Zustands, den Teams Classic vor vier Jahren schon hatte.

Ich werde das prüfen, sobald eine Public Preview verfügbar ist.


Quellen

Microsoft

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